Ein Buch von Emily Anthes
Harper Collins, 2021, € 20,–
Die US-Wissenschaftsjournalistin präsentiert zahlreiche Belege aus unterschiedlichsten Forschungsfeldern dafür, dass „Innenräume unser Leben auf weitreichende und manchmal überraschende Weise prägen“. Wusstest du zum Beispiel, dass die zahllosen Mikroben in einem Haushalt exakt darüber Aufschluss geben können, ob Frau, Mann und /oder Hund/Katze darin wohnen? Oder wie ausschlaggebend räumliche Gegebenheiten für die Genesung von Patient:innen ist? Nicht nur eigene Krankenzimmer für jede(n), um gefährliche Keime fernzuhalten, sind essenziell, auch der freie Blick auf die Natur – Bäume, Himmel, Blumen – wirkt nachweislich heilend.
Um die Bewegung und Beweglichkeit von Kindern in Schulen und Bürger:innen in der Stadt zu fördern, entstand „aktives Design“: Statt des Aufzugs werden z. B. Treppenhäuser leicht zugänglich und auffällig bei Hauseingängen platziert und mit aufmunternder Musik beschallt – um zum gesundheitsfördernden Stiegensteigen zu motivieren. Viele Gesundheitsanreize wurden auch in Schulversuchen eingesetzt:
Turngeräte und weiche Bodenmatten in der Aula, Treppen näher am Eingang als den Lift, Obst und gesunde Speisen leichter erreichbar für Kinderarme platzieren etc.
Mit dem Hype ums Großraumbüro und die zunehmend verbreiteten Springerplätze in Firmen räumt Anthes endlich auf. Ständiger ablenkender Lärm, nicht individualisierbare Umweltbedingungen wie Temperatur, Luftzufuhr, Lichtverhältnisse, mangelnde Privatsphäre beim Telefonieren usw., verunsichernde Tischplatzierung im Großraum rauben den Mitarbeiter:innen extrem viel Energie, führen zu vermehrten Krankenständen durch physische und psychische Überbelastung – und reduzieren auch noch indirekt den Erfolg der Firma.
Die Autorin beschäftigt sich u. a. auch mit den räumlichen Haftbedingungen in Gefängnissen, mit der Optimierung von OP-Sälen, mit der Architektur hochwasserresistenter, weil schwimmender Hochhäuser … aber auch mit der ethischen Grenzziehung zwischen Forschungsmethoden zum Wohl von Mitarbeitern, Patienten, Kindern – und deren Überwachung.
Fazit: Für mich war’s ein absolut lesenswertes Eintauchen in die Welt der vielfältigen Wirkweisen von Raumgegebenheiten auf uns Menschen in allen nur erdenklichen Lebensbereichen. Manche Forschungsergebnisse kann man wohl als vorhersehbar einstufen, andere sind tatsächlich unerwartet und umso spannender.

